TROLLING-BOOT

Trolling-Boot Größe

Ein Trolling-Boot sollte mindestens um die 4-5m lang sein und ausreichend Platz für 2 Angler und deren Ausrüstung bieten.

Optimales Trolling auf schwedischen Binnen-Gewässern betreibt man zu zweit, denn beim Trolling ist Arbeitsteilung angesagt. Eine Person kümmert sich um Motor, Echolot und Navigation, das ist der Skipper. Die andere Person betreut die Ruten, Downrigger und Sideplaner, das ist der Ruku, die Kurzversion für Rutenkuli.

Beim Fangeinholen kann man sich abwechseln, genauso wie bei der Arbeitsteilung. Heute ist ER Skipper und ICH Ruku, morgen ist es umgekehrt.

Trolling-Boot Verbrennungsmotor

Unser Trolling-Boot sollte wenigsten mit einem 5PS-starken 4-Takt-Motor ausgerüstet sein. Hat man lange Anfahrten ins Fanggebiet, ist ein stärkerer Motor sinnvoll, um die Fahrzeiten kurz zu halten.

Den Einsatz von 2-Takt-Motoren für das Trolling finden wir nicht gut. Sie sind zu laut und sie sind ungesünder als 4-Takter. Das merkt man ganz schnell, wenn man mit dem Wind fahren und die stinkenden Abgase einatmen muss.

Es ist empfehlenswert am Motor generell die Kippvorrichtung nicht zu sperren. Ist die Sperre nicht eingerastet, kann der Motor bei Grundkontakt nach hinten ausschwenken und so weitestgehend weniger Schaden nehmen. Die Sperre muss aber zum Rückwärtsfahren eingerastet werden, sonst drückt sich der Motor aus dem Wasser.

Rudern per Hand lassen wir hier außer Acht, da für schwedische Verhältnisse der Motor eindeutig die bessere Wahl ist.

Trolling-Boot

Ein aufgetackeltes Leih-Boot am Åsnen. Die Trolling-Bars sind vorn und die Downrigger mittig angebracht. In der dargestellten Situation sind die Downrigger wegen des Anlege-Manövers hochgeklappt.

Trolling-Boot E-Motoren

Elektrische Bootsmotoren sind eine hervorragende Erfindung. Sie sind bedeutend leiser als Verbrennungsmotoren, fast lautlos. Auf dem Wasser sind sie aus ökologischer, umwelttechnischer Sicht und in der Anwendung für das Trolling und dem Spinnangeln das Optimalste, was wir kennen. Aber es gibt eine große Schwäche der E-Motoren, das ist ihre Effizienz bezüglich Leistung und Energieversorgung.

Die für uns sinnvoll einsetzbaren mobilen E-Motoren fahren mit 12V Gleich-Spannung, bei ca. 500-600Watt (0,8PS) Leistung und erzeugen damit ca. 25 kp (55Lbs) Schubkraft. Das ist im Vergleich zum simpelsten Verbrennungsmotor wirklich nicht viel, reicht aber bei kleinen Touren für die üblichen Boote in Schweden.

Die Energieversorgung realisieren wir mit Akkumulatoren, die über einen langen Zeitraum einen konstanten hohen Strom von bis zu 50A liefern können. Mit Blei-Gel-Akkus, AGM-Akkus oder speziellen Lithium-Akkus mit ca. 60-75Ah Kapazität ist das  gut machbar.

Mit einem solchen Equipment kann man ein ca. 1000kg schweres Boot bei ungefähr 2 Knoten Geschwindigkeit um die 2-3h lang bei optimalen Wetterbedingungen bewegen, dann ist der Akku leer. Will man länger fahren, braucht man mehrere Akkus!

…und darin liegt die Crux!

Ein klassischer Blei-Gel- oder AGM-Akku mit ca. 75Ah Kapazität wiegt einsatzbereit ca. 25kg und kostet in der Anschaffung inklusive Akkukoffer, Anschlüssen, Sicherung und Verkabelung Minimum ca. 200€. Ein solcher Akku darf nur zu 75% geleert werden. Die Ladezeit mit einem maximalen Ladestrom von 20A beträgt 3-4h je Akku.

Ein  vergleichbarer einsatzbereiter Lithium-Akku (z.B. LiFePO4) wiegt nur ca. 10kg, kostet aber ca. 700€ und kann bis zu 90% entladen werden. Die Ladezeit ist ähnlich wie bei AGM-Akkus. Die Zyklenzahl ist höher als bei o.g. Akkus.

Will man mehrere Akkus nutzen, muss man für sich abwägen, welcher Akku-Typ zum Motortyp passt.

Fazit

Wir haben Erfahrungen mit diversen Minn Kota Modellen (Maxxum, Power Drive, Terrova) gemacht, die man ohne weiteres auf Motoren ähnlicher Leistungsparameter anderer Hersteller beziehen kann.

Bei Windstille, stabiler guter Wetterlage und wenn man keine großen Touren plant, kann man sie einsetzen. Was auch geht, wenn man den E-Motor nur zum Trolling nutzt und die Anfahrten ins Fanggebiet mit dem Verbrennungsmotor macht. Das braucht aber den entsprechenden Platz und Gewichtskapazität für die Akkus auf dem Boot.

Wir nutzten E-Motoren überwiegend zum Spinnangeln. Mit Begeisterung setzten wir auf die Funktionalität eines GPS-gesteuerten Minn Kotas, gespeist von einem LiFePO4-Akku.

Was man zusätzlich beachten muss, sind die Ladezeiten für die Akkus. Sind sie am Tage leer gefahren worden (Tiefenentladung beachten), hat man nur die Nacht um die Akkus wieder voll zu laden.

Ein Rechenbeispiel: Für einen 50lbs starken E-Motor braucht man mindestens 2 Stück 75 Ah-Akkus für einen 6 Stunden-Trolling-Tag. Lädt man sie abends mit nur einem 10A-Ladegerät, braucht es mindestens 15 Stunden bis beide wieder voll sind. Benutzt man für jeden Akku ein 10A-Ladegerät, schafft man beide Akkus in 7-8 Stunden. Hat man einen 20A-Lader, dann verkürzen sich die Ladezeiten entsprechend. Man muss beim Laden von Blei-Gel-Akkus, AGM-Akkus usw. aber auch auf die richtige Zusammenstellung Akkumulator und Ladegerät achten. Der maximale Ladestrom des Akkus ist hier ausschlaggebend.

Bei LiFePO4-Akkus kann man mit viel höheren Strömen als bei z.B. AGM-Akkus laden, was die Ladezeit erheblich verkürzt. Aber solche Ladegeräte haben ihre Preis und man muss sicherstellen, ob das bestehende Versorgungsnetz solche Leistungen verkraftet.

Bootsverleih

Woher bekomme ich ein passendes motorisiertes Boot?

Dies kann man schon beim Hausbuchen berücksichtigen. Oft ist ein Boot mit oder ohne Motor im Angebot integriert. Hat man eines oder beides nicht, findet man eventuell Passendes beim ansässigen Bootsverleiher.

Die verfügbaren Motoren sind selten stärker als 5PS. Will man stärker motorisierte Boote mieten, wird es in Schweden schon problematisch. Wenn der Verleiher nichts anbieten kann, sollte man bei den örtelichen Trolling-Clubs nachschauen. An großen Seen existieren oft regionale Vereine. Manchmal verleihen die Mitglieder ihre Boote. Diese Boote sind oft fast komplett ausgestattet, ordentlich motorisiert und kosten natürlich entsprechend. Das kann aber sinnvoll sein, wenn man die Beschaffungs- und Transportkosten für eigenes Equipment dagegen rechnet. Einfach mal checken.

Lorsby 480B Trollingboot Boot

Lorsby 480B – modifiziertes Schweden-Angler Trollingboot

Was sollte ein Trolling-Boot an Grundausrüstung mitführen?

Sicherheit an Bord muss an erster Stelle stehen. Deswegen ist es wichtig, vor Antritt der Fahrt zu überprüfen, ob an alles Notwendige gedacht und auch eingeladen wurde. Hier sind unsere Empfehlungen und die Checkliste Boot.

  • ausreichend Kraftstoff – meistens besitzen die Außenborder einen 10l-20l Zusatztank, der sollte vor jedem Fahrtantritt gefüllt sein. Bei größeren Ausfahrten einen Kanister mit zusätzlichem Kraftstoff mitnehmen!
  • 1- 2 Stück 10m lange Festmacher-Leine,
    • um das Boot bei Bedarf am Ufer befestigen zu können
    • um im Fall der Fälle abschleppen oder abgeschleppt werden zu können.
  • Ösfass – ist ein Schöpfdingens um Wasser im Boot Außenbords zu befördern oder für das „kleine“ Geschäft (besser da rein pinkeln als dabei ein „Mann über Bord“ zu riskieren)
  • Ruder, Riemen, Paddel – falls der Motor ausfällt, kommt man wenigstens per Muskelkraft nach Hause oder in geschützte Bereiche
  • voll aufgeladenes Handy, Nummer einer einheimischen Hilfe auf Kurzwahl speichern und oder Walkie Talkie
  • Rettungswesten oder Floaties
  • Messer
  • Lampe
  • Lappen
  • Anker
  • Trinkwasser
  • First Aid Kit – Erste Hilfe Kasten, gibt es auch in klein
  • eine wasserdichte Bootskiste oder –fass, für Klamotten und alles, was nicht nass werden darf
Wie organisiere ich mein Trolling-Boot?

Fahren wir raus, wird jede Menge Ausrüstung und Material mitgeschleppt. In der Regel sind wir in Schweden mit motorisierten Ruderbooten unterwegs und der Platz ist auf diesen Teilen nicht gerade üppig. Es hängt also von unserer Ordnungsstrategie ab, ob wir alles ins Boot bekommen, was wir tagsüber brauchen und auch sofort finden, wenn wir es brauchen. Beim Stauen sollte man deswegen seine Prioritäten setzen. Das könnte z.B. so aussehen:

Motor, Kraftstoff, Navigation, Kommunikation
  • Motor und Tank sind i.d.R. achtern, dort sollte auch das Echolot/GPS stehen, so dass der Bootsführer volle Kontrolle hat
  • für die Kommunikation benutzen wir Walki Talkies (geht am schnellsten), sie sollten am Echolot stecken,
  • Handys werden am Mann geführt
Rettungsmittel
  •  Westen, Floaties trägt man prinzipiell am Körper
Angel-Ausrüstung
  • Ruten immer in Rutenhaltern transportieren
  • wir rechnen immer 2 Downrigger-Ruten, 1 Planer-Rute und 1 Spinn-Rute pro Angler, das sind insgesamt 4 Ruten pro Angler. Bei 2 Anglern pro Boot sind es dann schon 8 Ruten.
  • der Downrigger hat generell einen Rutenhalter, also brauchen wir noch 3 Rutenhalter pro Angler, insgesamt 6 Stück bei 2 Anglern pro Boot
  • wir benutzen keine einzelnen Bootshalter pro Rute, da diese durch den permanenten Schlepp-Druck abkippen, brechen oder sich aushebeln
  • wir benutzen jeweils für Steuer-und Backbord Trolling-Bars aus Edelstahl, auf denen wir entsprechende Bootsrutenhalter montieren.
  • eine Trolling-Bar hat zwei Klemmpunkte, dadurch ist sie stabil positioniert und kann nicht kippen,
  • Die Trolling-Bars montiert man da, wo der Ruku sitzt
Boot

Hier ein Beispiel für ein wirklich aufgeräumtes Trolling-Boot mit 8 Ruten. Vorn sieht man die bombenfest montierten Trolling-Bars. In Reichweite des Bootsführers sitzt das Echolot. Die Köderkisten stehen unter der Bank. Rechts und links hängt diverses Zubehör wie Lösezange, Gripper usw.

Trolling-Boot

Die klappbare Trolling-Bar, sie lässt sich auf fast jedes Boot montieren und hält extrem fest.

Trolling-Boot

Die funktionelle Trolling-Bar, komplett aus Edelstahl gefertigt, hält extrem fest und kann individuell mit diversen Rutenhaltern bestückt werden.

 

Trolling-Boot

Die Trolling-Bar mit Kunstsoff-Rutenhaltern

Köder
  • Köder transportieren wir in speziellen Köderboxen, damit die Teile mit ihren scharfen Haken niemanden verletzen können.
  • Die Köderkisten stehen da, wo der Ruku sitzt.
  • Die Wobbler entnehmen wir am besten mit der Lösezange aus der Box. Denn manchmal verhaken sich die Wobbler in den Ecken der Schächte und wenn man da nicht vorsichtig hantiert, hat man den Haken im Finger stecken.
Boot

Köder-Transportkiste. Die Fächer und Wobbler sind nach Matrix-Manier nummeriert, so behält man System in der Sache.

Sonstiges
  • zum Verstauen des Fangs und unserer Verpflegung benutzen wir Coleman-Kühlboxen, die achtern oder vorn am Bug steht
    • In der Box sind Coolpacks für die Kühlung
    • eine stabile Plastiktüte für den gefangenen Fisch
  • Ausrüstungsmaterial wie Messer, Zangen, Fisch-Gripper hängen wir an die Bootsklammern der Bars oder Downrigger
  • Wir benutzten große stabile Klappkescher mit gummierten Netz, welche achtern am Motor oder vorn im Bug liegen

Wer sich mit dem Trolling einmal ausprobieren möchte, kann bei uns kostengünstig entsprechendes Equipment mieten. Guckst du bei Verleih.

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